„Es ist nicht wichtig, wie groß der erste Schritt ist, sondern in welche Richtung er geht.“

Wenn du erfolgreich an der Börse investieren und auch langfristig Erfolg haben willst, ist es sehr hilfreich, die Richtung zu kennen oder anders gesagt – eine Strategie zu haben. Denn wenn du die richtige Investitionsstrategie für dich gefunden hast, kann sie dir helfen, schneller Entscheidungen zu treffen und dir diesen Entscheidungen auch sicher zu sein. Eine Strategie gibt dir das Muster für deine Handlungen vor, um dein Portfolio aufzubauen und zu verwalten.

Es gibt viele verschiedene Arten von Investitionsstrategien, auf die du zurückgreifen kannst, um deine finanziellen Ziele zu erreichen. Einige der häufigsten sind die Core-Satellite-Strategie, Stock Picking oder Dividendenstrategie und sie sind oft entscheidend für deinen langfristigen finanziellen Erfolg.

Egal, ob du schon eine erfahrene Anlegerin bist oder gerade erst anfängst, es ist wichtig, einen Plan zu haben, der deinen Zielen und deiner Risikotoleranz entspricht. In diesem Artikel zeige ich dir verschiedene Arten von Anlagestrategien und wie du die richtige für dich auswählst, damit du 2023 und in Zukunft richtig durchstarten kannst! 

Wozu brauche ich überhaupt eine Investitionsstrategie?

Nun, sie ist im Grunde genommen eine wesentliche Voraussetzung für erfolgreiches Investieren. Sie hilft dir, besser für die Zukunft zu planen und fundierte und selbstbestimmte Entscheidungen über deine Investitionen zu treffen. Außerdem hilft sie dir zu verstehen, wie die Märkte funktionieren und wie du sie am besten für deinen eigenen Vorteil nutzen kannst.

Sie kann dir auch dabei helfen, das Risiko zu streuen und die Rendite zu maximieren, z. B. indem du dein Portfolio auf verschiedene Anlageklassen wie Aktien, Anleihen, Investmentfonds, ETFs und andere verteilst. Sie ermöglicht es dir, sowohl kurzfristige als auch langfristige Chancen am Markt besser zu nutzen. Auch als Kleinanlegerin kann sie dir helfen, einige der gleichen Vorteile zu erzielen, die institutionelle Anleger genießen, wie z. B. Zugang zu niedrigen Aktienkursen, Dividendenzahlungen und häufigen Handelsmöglichkeiten am Aktienmarkt.

Also letztendlich hilft sie dir dabei, ein ausgewogenes Portfolio zu erstellen, das über mehrere Anlageklassen mit unterschiedlichem Risiko- und Ertragspotenzial gestreut ist.

Welche Strategien gibt es?

Hier werde ich dir einige der bekanntesten und beliebtesten Investitionsstrategien vorstellen, die andere – auch institutionelle – Anleger anwenden, um ihre finanziellen Ziele zu erreichen. Aber da jeder und jede anders anlegt, ist es wichtig, dass du deine individuellen Ziele kennst, um zu bestimmen, welche Vorgehensweise für dich am besten geeignet ist.

Im Allgemeinen gibt es zwei Hauptarten von Anlagestrategien: kurzfristige und langfristige. Bei kurzfristigen Anlagen wird in der Regel schnell gekauft und verkauft, um Marktschwankungen auszunutzen und schnelle Gewinne zu erzielen. Langfristige Investitionsstrategien folgen einem eher konservativeren Ansatz, z. B. Investitionen in Wertpapiere mit langfristigen Aussichten oder die Streuung des Portfolios über verschiedene Anlageklassen, um das Risiko zu minimieren. Letztendlich hängt die richtige Methode von deinen Zielen, deiner Risikobereitschaft und deiner allgemeinen finanziellen Situation ab. 

Aber schauen wir genauer hin: 

Core Satellite Strategie

Die Core Satellite-Strategie ist eine Anlagestrategie, die hauptsächlich von institutionellen Investoren verwendet wird, um ihr Portfolio zu diversifizieren und das Risiko zu minimieren. Sie besteht darin, das Portfolio in zwei Teile zu unterteilen: einen „Kernbereich“, der aus stabilen und verlässlichen Anlagen besteht, und einen „Satellitenbereich“, der aus spekulativeren Anlagen besteht.

Der Kernbereich besteht normalerweise aus eher konservativen Anlagen, die eine stabile Gesamtrendite erwarten lassen, wie zum Beispiel Anleihen oder ETFs, die auch breit diversifiziert sind. Diese Anlagen sollen als Puffer dienen, um das Risiko des Gesamtportfolios zu minimieren und die Verluste bei unvorhergesehenen Ereignissen abzufedern.

Der Satellitenbereich besteht dann aus spekulativeren Anlagen, die ein höheres Wachstumspotential aufweisen, wie zum Beispiel Einzelaktien oder auf Wachstum fokussierte ETFs. Diese Anlagen sollen dazu beitragen, die Gesamtrendite des Portfolios zu steigern.

Es ist wichtig zu beachten, dass die Core Satellite-Strategie keine Garantie für zukünftige Erfolge bietet und dass du immer deine eigene Risikotoleranz und Anlagestrategie haben solltest!

Stock Picking

Beim Stock Picking werden gezielt Aktien ausgewählt, um ein Depot aufzubauen. (Wenn du mehr hierüber erfahren willst, empfehle ich dir meinen vertiefenden Kurs zur Aktienbewertung). Dabei ist es wichtig, auf die Liquidität zu achten, da Aktien mit geringer Liquidität schwer zu handeln sein können. Solltest du Stock Picking betreiben wollen, musst du sicherstellen, dass die gewählten Produkte ausreichend handelbar sind, um im Falle eines Verkaufs schnell und einfach handeln zu können. 

Ein weiterer wichtiger Faktor ist es, sorgfältig die Finanzen des gewählten Unternehmens, seine Wettbewerbssituation und Wachstumspotential zu untersuchen, bevor du einen Anteil am Unternehmen erwirbst. Du solltest dich also mit Unternehmensbewertung und Kennzahlenanalyse auskennen. 

Ein weiterer wichtiger Teil des Stock Picking ist das Verwalten deines Depots. Du musst hier regelmäßig überwachen, welche Wertpapiere im Depot enthalten sind und ob sie immer noch deinen Anlagezielen entsprechen. Es muss auch regelmäßig entschieden werden, wann es sinnvoll ist, Aktien zu verkaufen oder zu kaufen, um das Investment zu optimieren.

Diese Strategie erfordert viel Zeit, Kenntnisse und Aufmerksamkeit, ist also nichts für unerfahrene Anleger und Anlegerinnen. Es erfordert eine gründliche Analyse der Finanzen und Aussichten eines Unternehmens, sowie eine gute Kenntnis über die Marktbedingungen. Für erfolgreiches Stock Picking solltest du dich ständig auf dem Laufenden halten und flexibel sein, um schnell auf Veränderungen am Markt reagieren zu können.

Dividendenstrategie

Bei der Dividendenstrategie ist es das Ziel, Erträge aus Dividendenzahlungen zu generieren und gleichzeitig ein Kapitalwachstum des Portfolios zu schaffen. 

Dazu werden Unternehmen danach analysiert, ob sie hohe Dividenden ausschütten und gleichzeitig ein gutes Leistungspotenzial vorweisen. Eine weitere Möglichkeit ist es, in Fonds oder ETFs zu investieren, die eine hohe Ausschüttungsquote haben, z. B. der „Vanguard FTSE All-World High Dividend Yield UCITS ETF (Dist)“, der gezielt in große und mittlere Unternehmen weltweit investiert, die eine überdurchschnittliche Dividendenrendite aufweisen. 

Aber auch hier ist Diversifizierung der Schlüssel zum Erfolg, da sie dazu beiträgt, die Risiken auf verschiedene Anlagen zu verteilen. Die Dividendenstrategie ist sehr beliebt bei allen, die ein regelmäßiges Einkommen erzielen wollen und nicht aktiv handeln oder spekulieren. Daher können sie eine gute Option für alle sein, die nach langfristigen Anlageerträgen suchen, ohne ihr Portfolio aktiv verwalten zu müssen.

Noch mehr Wissen über diese Strategie findest  du in meinem Blogartikel über Dividenden.

Value Investing

„Value“ bedeutet „Wert“ und beim Value-Investing geht es darum,  den inneren Wert eines bestimmten Wertpapiers und nicht seinen aktuellen Marktpreis zu ermitteln und für sich zu nutzen.  Das Value-Investing ist hauptsächlich für Investorinnen, die ihre Rendite maximieren wollen, indem sie unterbewertete Wertpapieren suchen, die bestimmte Kriterien erfüllen müssen, wie

  • eine gute wirtschaftliche Gesamtsituation des Unternehmens,
  • eine stabile und zukunftsfähige Wettbewerbsposition,
  • ein gutes und ehrliches Management,
  • ein angemessener Preis, der unter dem inneren Wert liegt. 

Mit Value Investing haben Privatanleger mehr Flexibilität und Kontrolle, da es weder umfangreiche Geldanlagen erfordert noch das Eingehen großer Risiken, um höhere Renditen zu erzielen. Darüber hinaus fördert es vorausschauende Investitionsentscheidungen, indem Daten analysiert und fundierte Entscheidungen zu treffen sind, ob das Wertpapier oder der Vermögenswert zum aktuellen Preis kaufenswert ist oder nicht. 

Üblicherweise kommen hierfür eher etablierte Unternehmen in die engere Auswahl, die schon lange am Markt aktiv sind und so bereits eine Erfolgsgeschichte vorweisen können und ein weiteres Wachstum und auch Dividendenausschüttungen zu erwarten sind. Die Gewinnzuwächse werden zwar nicht so hoch sein wie beim Growth Investing, jedoch ist die Gefahr eines Verlusts bei dieser Strategie auch deutlich geringer. Beispiele für Unternehmen sind hier Procter&Gamble, Microsoft, LVMH oder Pfizer

Growth Investing

Growth Investing ist eine Investitionsstrategie, bei der ein Investoren in Unternehmen oder Assets investieren, die innovativ sind und ein hohes Wachstumspotential aufweisen. Dabei geht es darum, in Unternehmen zu investieren, die in der Lage sind, ihren Umsatz und Gewinn in Zukunft signifikant zu steigern.

Ein wichtiger Aspekt beim Growth Investing ist die Auswahl von Unternehmen oder Asset, die in einem attraktiven Sektor tätig sind. Dies kann beispielsweise ein Sektor sein, der durch den technologischen Fortschritt oder demografische Veränderungen stark wächst. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Beurteilung des Wachstumspotentials eines Unternehmens oder Assets. Dies kann durch die Analyse von Finanzkennzahlen wie dem Umsatzwachstum oder dem Gewinnwachstum erfolgen.

Hier solltest du aber auch beachten, dass das Wachstumspotential eines Unternehmens oder Assets mit einer höheren Schwankung des Preises einhergehen kann und auch das Risiko höher sein kann. Daher solltest du immer auf die Diversifikation achten, um das Risiko zu minimieren.

Typische Beispiele für Growth-Aktien sind Alphabet (Google), Meta (facebook) oder Netflix. 

Momentum-Strategie

Bei der Momentum-Strategie wird in Wertpapiere investiert, die in der kürzeren Vergangenheit eine positive Performance aufgewiesen haben und umgekehrt wieder verkauft, die eine weniger gute Rendite erzielt haben. Diese Methode basiert auf der Annahme, dass Investments, die in der Vergangenheit gut performt haben, auch in der Zukunft weiterhin positiv abschneiden werden.

Für diese Methode werden meist Charttechniken verwendet, die den Entwicklungstrend anhand von sogenannten Linien, wie der „50-Tage-Linie“ oder „100-Tage-Linie“ erkennen sollen. Das ist sehr zeitaufwändig und auch relativ komplex, zudem geht es schon stark in Richtung Spekulation, da die Einstiegspreise meist schon relativ hoch sind. 

Manche haben aber hier Spaß dran und wenn du das probieren möchtest, ist das sicher eine interessante Beimischung und man kann auch viel dabei lernen. Aber nicht vergessen, dass auch hier Diversifikation wichtig ist. Dein Portfolio sollte immer auf mehrere Assetklassen und geografische Regionen verteilt sein, um das Risiko zu minimieren. So kannst du von den positiven Entwicklungen in einer Assetklasse profitieren, während du gleichzeitig von Verlusten in einer anderen Assetklasse abgeschirmt bist. 

Buy-and-Hold

Und der absolute Klassiker: Bei der Buy-and-Hold-Strategie investierst du in ein Wertpapier und hältst dieses über einen längeren Zeitraum, anstatt es schnell wieder zu verkaufen. Die kurzfristige Marktentwicklung ist die egal, hier wird angenommen,  dass die langfristigen Fundamentaldaten eines Unternehmens wichtiger sind als die kurzfristigen Kursentwicklungen.

Ganz wichtig bei der Buy-and-Hold-Strategie ist es, dass die Aktiengesellschaft, in die investiert wird, ein solides Geschäftsmodell und eine gute Wettbewerbsfähigkeit aufweist. Diese Unternehmen haben in der Regel eine höhere Wahrscheinlichkeit, auch in Zukunft erfolgreich zu sein und somit eine höhere Ausschüttung für ihre Aktionäre zu generieren.

Nichtsdestotrotz solltest du dich regelmäßig über die Entwicklungen in deinem Portfolio und die Aktivitäten der Wettbewerber informieren, um sicherzustellen, dass das Unternehmen immer noch gut positioniert ist.

Aber auch die Buy-and-Hold-Strategie ist nicht für alle Anlegerinnen geeignet ist – hier solltest du deine eigene Risikotoleranz kennen und nicht bei starken Kursschwankungen „schwach“ werden und verkaufen wollen. Wenn du aber deine Unternehmen, dein ETF-Portfolio (oder sogar eine Immobilie? ;-)) sorgfältig ausgewählt hast, kannst du dich schon als erfolgreiche Investorin bezeichnen. 

Oder wie der unsterbliche Börsenexperte André Kostolany es wunderbar zusammengefasst hat: „Kaufen Sie Aktien, nehmen Sie Schlaftabletten und schauen Sie die Papiere nicht mehr an. Nach vielen Jahren werden Sie sehen: Sie sind reich. “

Diversifiziert und erfolgreich investieren - Wie machen es andere?

Natürlich sollt du immer selbst deine Strategie für dich finden, aber es schadet auch nicht, sich einmal umzuschauen, wie andere erfolgreiche Investoren vorgehen. Manche fahren eine bestimmte Strategie, wie beispielsweise Warren Buffett, einer der bekanntesten Investoren überhaupt. Er setzt auf die Value-Strategie und hat damit in den letzten 30 Jahren ein Plus von mehreren Tausend Prozent gemacht! 

Andere kombinieren auch Strategien, um mit Investitionen erfolgreich zu sein. Family Offices (Vermögensverwalter für reiche Familien) setzen eine Vielzahl von Strategien ein, um diversifiziert zu bleiben, setzen aber hier auch oft auf die Core Satellite Strategie über verschiedene Anlageklassen hinweg, 

In Deutschland gibt es auch immer mehr Privatiers, also Privatpersonen, die von ihrem passivem Einkommen leben, die ihre Strategie sicher auch das eine oder andere Mal geändert haben. Zum Vermögensaufbau wurde vielleicht eine Growth Investing Ansatz gefahren, um dann, in einer späteren Phase mehr zur Dividendenstrategie überzugehen, um auch die Früchte des Investierens genießen zu können. 

Und wie finde ich die richtige
Strategie für mich?

Die Wahl der richtigen Anlagestrategie ist für jeden eine sehr wichtige Entscheidung. Sie hängt von mehreren Faktoren ab, z. B. von deiner Risikobereitschaft und deinen finanziellen Zielen. Bei einer spekulativen Methode gehst du ein höheres Risiko ein, erhältst im Gegenzug aber auch potenziell höhere Erträge. Wenn du bereit bist, diese Art von Risiko einzugehen, kannst du eher von Marktentwicklungen profitieren und mit einem Teil des Vermögens Gewinne erzielen. 

Wenn dir hingegen Kapitalerhalt oder kontinuierliches Wachstum mit geringeren Schwankungen wichtig ist, ist eine etwas konservativere Anlagestrategie möglicherweise für dich besser geeignet. Hier hast du zwar geringere potenziellen Gewinne, aber auch mit ein geringeres Risiko. 

Definitiv ist eine gute Strategie DIE Voraussetzung für deine erfolgreiche Karriere als Investorin. Denn so kannst du am effektivsten deine kurz- und langfristigen Ziele auf sichere und rentable Weise erreichen.

Die hier vorgestellten Methoden sollen dir nur einen kleinen Überblick geben. Denn sicher gibt es über jede Strategie noch jede Menge mehr zu sagen, was hier aber den Rahmen sprengen würde. Du musst nur für dich entscheiden, welchen Weg du zu deinem Ziel verfolgen willst. Wahrscheinlich wirst du unterwegs mehr als einmal abbiegen, oder einen Fehler erkennen und wieder ein Stück zurückgehen oder auch den ein oder anderen Umweg nehmen. Wichtig ist nur, nicht stehen zu bleiben und dranzubleiben. 

Denn mit deiner Strategie, Mut und Durchhaltevermögen wirst du garantiert deine finanziellen Ziele erreichen!